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Die passende Angst zu Allem

1756 Wörter
(12 MIN. LESEZEIT)

Wir kommen nicht angstfrei auf die Welt, denn jeder verspürt Angst. Sie ist eine unserer Basisemotionen. Eine Abwesenheit von Angst wäre also somit bedenklich, so erfüllt sie schließlich in einem normalen Maß auch eine Schutzfunktion.

Angst im Alltag

Die Angst ist immer da, auf Schritt und Tritt – mal mehr und mal weniger.

Manche begegnen ihr beim Arzt, beim Hausputz, im Urlaub oder in der Dunkelheit.

Wie sagt man so schön in Amerika: „Wer hat ANGST vorm schwarzen Mann?“. Kinder wachsen damit auf sich vor Dingen zu ekeln oder zu fürchten und so entwickeln wir alle (manche mehr und manche weniger) Ängste.

Wenn mir jemand erzählen will, dass er sich nicht ängstigt, den würde ich wohl untersuchen lassen, weil das meiner Meinung nach nicht normal ist.

Angst als Schutz

Doch Angst ist bis zu einem gewissen Grad etwas Gutes. Sie macht uns wach und aufmerksam. In vielen Situationen mahnt sie uns weder übermütig zu sein, noch unnötige Risiken einzugehen.

In Christopher Moores Buch „Ein todsicherer Job“ geht es immerhin um Asher, das unsichere Beta-Männchen und seine ungewöhnliche Tochter, samt skurriler Figuren. Wer es nicht kennt, dem kann ich es nur ans Herz legen.
Auch Hirschhausen sagte es bereits treffend in seinen Programmen: wir haben überlebt, weil wir nicht von jenen Alpha-Männchen abstammen, die tollkühn auszogen, um den Säbelzahntiger zu erlegen und selbst zum Gejagten wurden. Ein Glück für die weniger Heldenhaften. Auf die Art sind sie ohne größere Anstrengung an eine Frau gekommen und konnten ihre Gene weitergeben.

Dennoch denke ich nicht, dass Angst und Mut sich per se ausschließen, immerhin waren sicher einige Krieger mit genug Angst oder besser gesagt Wachsamkeit, behaftet, um sich Sorgen um ihre Gesundheit und Zukunft zu machen.

Alte und neue Ängste

Da wir aber heutzutage weder unser Essen erlegen müssen, noch auf die Häute der Tiere zur Herstellung von Bekleidung angewiesen sind, ist zumeist unsere Existenz in Deutschland einigermaßen gesichert.

Allerdings tragen wir noch einige Altlasten in Gestalt der Urängste in unserem Unterbewusstsein herum. Einige werden solche Träume kennen, in denen man fällt oder rennt ohne sich zu bewegen, einem die Zähne ausfallen und in meinem Fall erblinde ich im Verlauf des Traumes. Diese Hilflosigkeit, durch den schleichenden Verlust des Sehvermögens, nimmt mich immer für einige Zeit mit.

Andere buddeln ihre toten Angehörigen aus oder träumen, dass sie sterben, in diesen Fällen ist es dann eindeutig eine Verlustangst.

Wir haben also genügend Raum für andere Ängste, neben denen, die alle quälen (Existenz- und Zukunftsängste, vor dem Tod, etc). Zugegeben, es gibt viele und vor allem ziemliche kuriose Formen der Angst.

Vergnügliches Ängstigen

Jedoch macht es auch vielen Spaß sich zu fürchten und so wundert es auch nicht sonderlich, dass mit Grusel und Co. viel Geld verdient wird. Es beginnt bei der Geisterbahn auf Jahrmärkten und endet bei Psychothrillern, beziehungsweise diversen ebenfalls immer realistischeren Spielen, die mit quietschender, düsterer Musik und dunklem Setting schon fast genauso realistisch aussehen wie Filme. Die Unterhaltungsindustrie befriedigt damit etwas tief in den Menschen.

Zwar kann ich persönlich nicht nachvollziehen, warum das so ist, aber da meine liebe Frau auch zu denjenigen zählt, die so etwas mögen, setze ich mich dem hin und wieder auch mal aus, wenn es nicht zu krass für mich ist. 😉

Entstehung von Ängsten

Wenn man sich etwas mit Angststörungen, Ekel und Phobien befasst, liest man fast immer, dass es etwas mit Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes zu tun hat.

Als Kinder sind wir ja noch nahezu angstfrei und können noch keine potentiellen Gefahren einschätzen. Dass es also etwas einfach spontan Auftretendes ist, halte ich für ausgeschlossen.

Ich würde diese individuellen Phänomene in natürlich und unnatürlich unterscheiden.

  • natürliche (vorhandene) Emotion
    • Angst ist ein natürliches und ungerichtetes Gefühl, das alle Menschen haben (sollten)
    • Panik ist eine übermächtige Angst, die Lähmungserscheinungen des Körpers und/oder Geistes, durch eine spontan auftretende Gefahr hervorruft
  • unnatürliche (erworbene) Emotion
    • Ekel ist ein widerstrebendes Gefühl oder die Abscheu von etwas als widerlich empfundenem
    • Furcht ist eine gerichtete und objektbezogene Emotion
    • Phobie ist eine übersteigerte, unangemessene, gerichtete Furcht, die dazu führt, die jeweilige Situation zu umgehen

Einige Situationen können darüber dann hinausgehen und einem eine Phobie oder anhaltendes Trauma verpassen. Das behält man dann vermutlich, wenn es nicht irgendwie behandelt wird, sein ganzes Leben. Einige von ihnen sind ziemlich weit verbreitet und beruhen manchmal auch „nur“ auf Ekel, wie bei Spinnen, Schlangen oder Mäusen.

Andere wiederum treten weniger häufig auf und beeinflussen das Leben nicht so stark, wie beispielsweise die Angst vor Clowns. Die ist nur dann hinderlich, wenn man viel mit dem Zirkus zu tun hat. 😉

Weitergabe von Ängsten

Laut einiger Artikel sollen Ängste sogar vererbt werden können, wie sich hier nachlesen lässt. Im Zuge der Epigenetik ist es unter Laborverhältnissen bereits erfolgreich überprüft worden, ob es aber beim Menschen als ein komplexeres Lebewesen auch so funktioniert, ist noch unklar.

Die Max-Planck Gesellschaft und das Bundesministerium für BIldung und Forschung schreiben bereits 2010 über das TMEM132D Gen, welches an der Ausprägung von Panik und Ängsten beteiligt sein soll.

Anerziehen kann man sie in jedem Fall. Kinder, besonders kleine Kinder lernen durch Nachahmung. Erlebt dieses nun also eine solche Begebenheit und diese wird negativ aufgelöst, kann dies durchaus entscheidend sein, je nachdem, wie wahrscheinlich eine Angststörung ausgeprägt werden kann. Die jeweilige Ausprägung ist durch unsere Gene geprägt.

meine ängste

In meiner Familie häuft sich die Angst vor Blut und Spritzen enorm. Die Reaktionen auf diese Furcht laufen immer ziemlich gleich ab:

  • Stufe 1: Schweißbildung mit kaltem Schauer
  • Stufe 2: Schwindel & Übelkeit
  • Stufe 3: Ohnmacht

Das ist besonders väterlicherseits sehr weit verbreitet. Bei mir glaube ich aber, dass es mit dem nachfolgend geschilderten Erlebnis zusammenhängt. Der Umgang mit Spritzen ist eher differenzierter zu betrachten, denn mit Impfungen hatte ich keine Probleme, allerdings mit Blutentnahmen umso mehr.

Ich schreibe über meine Erfahrungen, damit in kommenden Situationen sensibler mit der vermeintlichen Angst anderer umgegangen werden kann. Wie man sieht, können solche Erfahrungen prägender sein, als zunächst angenommen wird.

Wenn ich zurückdenke, kann ich oftmals ein konkretes Szenario benennen, indem sich eine allgemeine Angst in einer Furcht bzw. Phobie manifestiert hat.

szenario 1: Traumatophobie

Mein Vater hat mir als ungefähr 5 oder 6 jähriges Kind erzählt, dass sich meine Mutter beim Baum fällen schlimm in die Hand gehackt und dabei Finger verloren hat, weshalb ich begann zu weinen und zu ihr zu rennen, aber diese verstand gar nicht, warum ich so aufgelöst war. Sie hatte sich nur geschnitten und er freute sich über meine Reaktion. Ich mache heute noch einen Bogen um gefährliche Werkzeuge und Küchenutensilien, die für schwere Wunden und reversible Schäden sorgen können. Wenn ich sie benutze, dann mit sehr viel Umsicht.

szenario 2: Traumatophobie

Das wurde schlimmer, als ich ein paar Tage in den Sommerferien ins Krankenhaus musste. Soweit ich mich erinnere war ich ungefähr 11 oder 12 und mir wurde vorher (meiner Erinnerung nach) noch kein Blut abgenommen. Die Schwestern dort machten mir allerdings Angst und setzten mehrfach an, um mir Blut abzunehmen, was mir solche Schmerzen bereitete, dass ich danach niemanden mehr so einfach an meinen Arm ließ.

Danach habe ich es geschafft viele Jahre ohne Blutentnahme älter zu werden. Jetzt lasse ich es hin und wieder überprüfen, um den Vitamin D3 Spiegel messen zu lassen. Angenehm ist es immer noch nicht und ein kleiner Akt, da ich mir nur unter bestimmten Bedingungen Blut abnehmen lasse, aber es funktioniert auf diese Weise immerhin.

Zu Wassertiefen und luftigen Höhen habe ich ebenfalls ein spezielles Verhältnis. Das mit der Höhe kann ich mir allerdings nicht plausibel herleiten, da ich dazu keine greifbare Erinnerung abrufen kann.

Allerdings stehe ich am liebsten sowieso mit beiden Beinen auf dem Boden. Das eine Mal, dass ich geflogen bin, reicht für mich, zumal ich es aus ökologischen Gründen eh nicht machen würde (Stichwort Flygskam). Es kann am Alter liegen oder an einigen schweren Stürzen mit dem Rad, aber auch zu hohe Geschwindigkeiten meide ich, wenn ich kann.

strategisch ängste verbessern

Bei meiner Recherche stieß ich, je nach Angst, auf verschiedene Herangehensweisen eine solche zu verbessern.

Hilfe entsprechend der Angst

Kann man der Lage nicht selbest Herr werden, so würde ich es vorziehen mit Experten zu arbeiten. Hat man Scheu vor Publikum zu sprechen, hilft vermutlich ein Sprachcoach beim Abbauen dieser weiter.

aussitzen statt vermeiden?

Geht es hingegen um tiefsitzende Ängste, kann ich mir persönlich nicht vorstellen, dass es, wie in meinem konkreten Beispiel, mit der Konfrontationsmethode funktionieren wird. Wie ich bereits beschrieben habe, würden, wenn ich mich nicht beruhigen kann, bei mir die Lichter ausgehen.

ängste kontrollieren lernen

Solche Blackouts hatte ich bereits oft genug und da dies auch ziemlich anstrengend für den Körper ist, hab ich immerhin gelernt rechtzeitig auszusteigen. Auch ist die Angst (gefühlt) ein bisschen weniger krass als noch am Anfang. Ziehen solche Begebenheiten sehr schnell an mir vorbei, so kann es sein, dass ich sie kaum wahrnehme und dieses folgende Gefühl schneller abschütteln kann.

hypnose bei angststöungen

Ich habe von einem interessanten Ansatz der Hypnose gelesen, die für mich auf den ersten Blick erfolgversprechend aussieht. Sarah Peters (Heilpraktikerin für Psychotherapie) litt selbst an einer schweren Angststörung, was mir sagt, dass sie aus persönlicher Erfahrung spricht und den Menschen aus einer tiefen Überzeugung heraus hilft.

Fazit

Ob man Ängste zwingend in den Griff bekommen muss, hängt aus meiner Sicht von jedem selbst ab. Es gibt mehr oder weniger einschränkende Ängste. Wer darunter stark leidet, sollte mal über Hilfe nachdenken. Zwar fühle ich mich selbst durch meine Unfähigkeit gewisse Dinge zu sehen etwas bevormundet, weiß aber die Rücksicht zu schätzen, zumal ich mir solche Sachen wirklich nicht ansehen will!

Weiterführende Links

Unterschied Angst, Furcht und Phobie
Angstherkunft und -bewältigung
Vererbte oder erworbene Angst?

Hypnose gegen Ängste

Listen von Angstörungen und Phobien

Phobienliste
Liste bei Wikipedia

Erwähnte Ängste

Angst vor Höhen und Tiefen (=Hypsiphobie)
Angst vor Geschwindigkeit (=Tachophobie)
Blutangst (=Hämatophobie)
Flugangst (=Aviophobie)
Redeangst (=Glosophobie)
Angst vor Schmerzen (Traumatophobie)
Angst vor spitzen Gegenständen (Aichmophobie)

Autorin

Susann
Susann
Zu meinen Hauptleidenschaften in meinem Leben (Musik, Sprache und Technik) haben sich seit einiger Zeit neue Themengebiete entwickelt. Ich bemühe mich unser Leben effizienter, nachhaltiger und gesünder zu gestalten, seit ich mit grünen Firmen in Kontakt gekommen bin und durch diese nun einiges anders sehe. Aber der totale Umbruch kam mit der "Krankheit" meiner Frau. Seitdem leben wir bewusster und teilen dies auch gern.

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