Gedanken-Puzzle

weil alle Themen ineinander greifen

Mein hochsensibles Ich

1504 Wörter
(10 MIN. LESEZEIT)

Ich habe mich lange davor gedrückt einen Beitrag zu schreiben, der sich explizit mit dem Thema Hochsensibilität befasst. Es ist nämlich gar nicht so einfach nur eine Definition anzugeben und dann wissen alle Bescheid.

Eher ist es so, dass es einen nicht unerheblichen Teil an Menschen betrifft und es auch nicht DIE Hochsensibilität gibt, sondern dabei von Ausprägungen gesprochen werden sollte. Entgegen der Behauptung einiger Stereotypen haben wir ja auch nicht nur eine Art Frau oder Lesben oder sucht euch was aus. 😀

Also was ist das nun?

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist das die Abwesenheit der Filter. Das heißt auf hochsensible Menschen prasselt alles mögliche an Reizen einfach so herein.

Warum gibt es denn sowas?

Die Hochsensiblen haben schon immer frühzeitig Gefahren wahrgenommen. Sie waren bereits über bedrohliche Situationen alarmiert und konnten entsprechende Maßnahmen zum Schutz einleiten. Sie haben also sich und andere geschützt. Aufgrund ihrer guten Antennen und Sinne sind sie gerne als Berater oder als Heiler in Erscheinung getreten.

Generell sind bei vielen die Sinne geschärft, egal ob hören, sehen, riechen, schmecken oder fühlen. Welche Sinne es bei den jeweiligen sind und wie stark diese ausgeprägt sind, variiert natürlich.

Vom allgemeinen eher theoretischen kommen wir jetzt also zum praktischen anhand meiner eigenen Auffälligkeiten.

Spüren

Apros pros Frühwarnsystem: ich nehme mal an, dass das auch dazu gehört, aber ich fiebere früher als „normale Menschen“. Das haben mir Ärzte zuweilen nicht geglaubt, mussten sich dann aber selbst davon überzeugen, dass es wirklich so ist.

Demzufolge ist auch der Winter mit seinen kalten Temperaturen nicht gerade mein Freund. 🥶 Wie schon an anderer Stelle erwähnt, bin ich ja eh ein Sommerkind und mag es schön heiß. 🥵

Es fühlt sich unter Umständen alles sehr intensiv an. Daraus resultiert auch eine geringere Toleranz gegenüber Schmerzen, also wir sind quasi die ersten, die „aua!“ schreien, wo andere noch gar keinen Schmerz registrieren. 😉

Viele Dinge sind einem selbst gar nicht so gewahr, bis man es dann liest und denkt: ‚Oh, das also auch‘.

Sich eingeengt fühlen ist auch ein Teil davon, wenn sich Klamotten nicht richtig auf der Haut anfühlen, zu weit, zu eng sind oder aus einem unangenehmen Material.

Durch alle diese körperlichen Voraussetzungen können wir sehr gut die Gefühle anderer wahrnehmen. Wenn also jemand in den Raum kommt und mies drauf ist (ohne, dass es deutlich ersichtlich wäre), dann gibt das gewisse Schwingungen, die fühlbar sind und das kann sehr unangenehm werden, wenn man da zwischen die Fronten gerät und sowas aushalten muss, weswegen wir uns dann (wenn es geht) doch lieber verdrücken. 😉

Je nach Situation sind wir aber durch unser hohes Maß an Gefühl und Empathie fähig den Streit Dritter beizulegen.

Dazu sind wir ziemlich moralisch unterwegs und möchten Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit für uns und andere. Dennoch gehen wir nicht immer raus und kämpfen für unser Recht, weil wir auf der anderen Seite auch leicht harmoniesüchtig veranlagt sind. (siehe oben)

Hören

Ein weiterer Punkt, der uns nicht unbedingt auf Großveranstaltungen rumspringen lässt, ist der Lärm. Wenn alles gleichzeitig passiert und man im Nebel der Stimmen kaum noch einen klaren Gedanken fassen kann. Das kann man für ein paar Stunden aushalten, aber auf Dauer ist das nicht machbar. In meinem Beitrag über Geräusche habe ich das ja schon näher beschrieben.

Allerdings sind nicht nur solche Veranstaltungen schwierig. Auch ein simpler Besuch in einem Restaurant mit vielen oder immer lauter werdenden Menschen, verlangt von mir meist mehr Konzentration, als ich abends meist noch aufbringen kann. Dazu kommt noch, dass die vormals dezente musikalische Untermalung, sich zu dem Soundtrack einer U20 Party entwickelt und man sein eigenes Wort nicht einmal erahnen kann, sobald es die Lippen passiert hat.

Deswegen bin ich sehr dankbar, wenn Gespräche in ruhiger Umgebung mit wenig Menschen stattfinden können.

Leider kann ich mich dieser Situation schon oft berufsbedingt nicht entziehen. Vielleicht kennt das der eine oder andere: aber skurilerweise reden die Kollegen gerne wie in einem Canon. So schnell wie er beginnt, hört er zwar auch wieder auf, aber davor wird es erst einmal unangenehm (natürlich nur für mich) Dieser Umstand treibt mich tagtäglich mindestens einmal in den Wahnsinn…

Mir hat man schon früh gesagt, dass ich später bestimmt schlecht hören werde, weil ich immer mit Kopfhörern rumrenne. Dumm, wenn die meisten denken, dass man auf Anschlag hören muss. Ich bin nämlich die erste, die auf dem Konzert den Gehörschutz herauskramt. Nun bin ich zwar noch keine 80, aber ich würde wetten, dass die Theorie nicht aufgeht, denn ich höre so gut, wie ich sehe. 😉

Vor allem höre ich gern hin und in die Dinge hinein, egal ob Musik, Film oder anderweitig akustisches, weil ich mich an Stimmen erfreue.

Riechen

Es gab und gibt Situationen, wo mich Gerüche so stark beeinflussen können, dass ich mich erbrechen könnte, wenn ich da nicht rechtzeitig wegkomme. Dazu zählen Tiefgaragen mit dem Schwall an Benzinaroma in der Luft oder Zigarettenrauch in einer exorbitanten Menge über einen längeren Zeitraum.

Sehen

Sommer wie Winter bin ich eine der wenigen, die immer eine Sonnenbrille im Gepäck hat und sich auch nicht scheut, von dieser Gebrauch zu machen, egal wie die Leute schauen.

Täte ich es nicht, würde ich aufgrund meiner Lichtempfindlichkeit entweder halb blind durch die Gegend rennen oder mir würden arg die Augen tränen, was dann früher oder später das gleiche Resultat hätte. Also immer her mit der Sonnenbrille. 😎

Ein schöner Nebeneffekt an meiner verspiegelten ist, dass man auch wunderbar Leute damit beobachten kann. 😉

Schmecken

Ich weiß nicht, ob das jemand kennt, aber gewisse Konsistenzen, können einem nahezu widerlich erscheinen. Mein Vater und ich haben die gleiche krasse Abneigung gegen diese Milchpelle. Wenn man die versehentlich mal mitgetrunken hat, wurde einem ganz anders oder Glasnudeln sind auch ganz furchtbar. 🤢

Meist ist auch alles zu heiß im Mundraum. Wenn meine Frau zum Essen ruft und es auf dem Teller noch brutzelt, kann ich locker 10 bis 15 Minuten warten – mir reicht persönlich lauwarme Nahrung. 😅

Tasten

Berührungen können sich ebenso intensiv anfühlen und auch dadurch unangenehm werden. Wohl dosiert ist es jedoch sehr schön und ich bin zugegebenermaßen auch süchtig danach gekrault zu werden. Das geht aber auch weniger sensiblen Menschen so, denke ich. 😀

Denken

Das mit den Gedanken, hatte ich ja hier und da auch schon erwähnt, dass ich im Grunde IMMER denke. Kaum sind die Augen auf, ist die Denkfabrik an und rattert los.

Weitere Merkmale

Man sagt uns eine gewisse Akribie nach, da kann ich nur sagen: jein. Wenn es eine meiner Themen betrifft, wie Musik oder Technik oder sogar beides, dann kann das eine oder andere zur Obsession werden, aber nicht generell. Ich kann sagen, dass ich im Verhältnis eher weniger pingelig oder pedantisch bin.

Generell muss ich mich fokussieren, um zu überlegen, was für mich jetzt Priorität hat, da ein Verzetteln sonst ziemlich einfach ist und die wesentlichen Dinge stiefmütterlich oder gar nicht behandelt werden.

Fazit

Wenn ich mich gerade hier unter dem Aspekt der Hochsensibilität seziere, merke ich wie viel da zutrifft und da kommt man schon wieder ins Denken, warum das so ist. Es gibt ja angeborene und ein Stück weit erworbene Wesenszüge, soweit ich gelesen habe.

Wenn ich jetzt bedenke, dass ein signifikanter Teil meiner Familie vermutlich schon selbst zu diesen Menschen gehört, würde es mich nicht wundern, wenn einiges eventuell erworben ist, wie das Beispiel mit meinem Vater vermuten lassen könnte. Andere Dinge wiederum habe ich mit meiner Mutter oder Tante gemein. Letztere und meine Oma können vortrefflich Stimmungen wahrnehmen und haben mir das als Kind auch schon viel näher gebracht. Die gute Beobachtungsgabe, um herauszufinden wie die Menschen ticken, ist also auch schon früh trainiert worden.

Die hochsensiblen Menschen, die ich kenne sind mir teilweise ähnlich, denn jeder nutzt das ja auch anders für sich, hat vielleicht sogar geschafft das eine oder andere abzulegen. Alles davon wäre denkbar.

Im Endeffekt geht es auch nicht darum, wer was kann oder eben auch nicht, sondern es geht darum mit seinen Fähigkeiten nicht nur das Leben zu ertragen, sondern es zu genießen, mit allen gegebenen Möglichkeiten. Manche sitzen dafür in einem Trabbi und sind zufrieden, die nächsten schippern im Boot über den See und die dritten fliegen im Flugzeug durch die unendlichen Weiten des Himmels – alle bewegen sich, aber auf ihre besondere und bevorzugte Art. 🙂

Anlaufstellen

Podcasts

einfach hochsensibel
proud to be sensibelchen

Blogs

healthyhabits.de – hochsensibel leben
hochsensibel sein
zart besaitet
my MONK

Bücher

Gestatten: Hochsensibel
Hochsensibel für Eltern und Kinder

Autorin

Susann
Susann
Zu meinen Hauptleidenschaften in meinem Leben (Musik, Sprache und Technik) haben sich seit einiger Zeit neue Themengebiete entwickelt. Ich bemühe mich unser Leben effizienter, nachhaltiger und gesünder zu gestalten, seit ich mit grünen Firmen in Kontakt gekommen bin und durch diese nun einiges anders sehe. Aber der totale Umbruch kam mit der "Krankheit" meiner Frau. Seitdem leben wir bewusster und teilen dies auch gern.

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