Gedanken-Puzzle

weil alle Themen ineinander greifen

Händigkeit & Hirnigkeit (LH Nr.1)

2273 Wörter
(15 MIN. LESEZEIT)

Über Links- und Rechtshändigkeit beziehungsweise Hirnigkeit gibt es mehr zu wissen als so allgemein bekannt ist.

Erst rechts und dann…doch links!

Das Thema der linken Hand war eigentlich immer ein Teil meines Lebens. Meine Mutter erzählte mir für mich schon seit ich mich erinnern kann, was sie bei mir beobachtet hatte und sie war sich sicher, dass ich Linkshänder sei.

Folgende Dinge wurden mir erzählt und merke ich selbst:

  • Malen mit beiden Händen als Kind (ungewöhnlich?)
  • linksseitige Ausrichtung mit Messer und Gabel
  • linksseitiges Pellen einer Clementine
  • linksseitiges Abreißen des Klebestreifens
  • Öffnen von diversen Schraubverschlüssen
  • Spielkarten geben, ausspielen oder ziehen
  • persönliche Bevorzugung der Schriftneigung nach links
  • Brille putzen
  • Hände reiben (linke liegt in der rechten)
  • Abstützen von Lasten mit linkem Bein (Kisten, etc.)
Einige Dinge kann man nur auf (s)eine Art

Bei dem Versuch es einmal anders auszuprobieren, merkt man direkt eine Art Schranke im Kopf. Bei einigen Dingen, die wir damals oder heute erlernen sollten, stellt sich dann eventuell eine innere Gegenwehr oder Unverständnis ein.

Ich denke, dass sich in diesen Situationen die Körperintelligenz mehr oder weniger auffällig zu Worte meldet.

Schuhe binden

„Wie bindest Du deine Schnürsenkel? Rechte Hand hält die Schlaufe und die linke wickelt den Schnürsenkel um die Schlaufe?“

Antwort: Ja, genau so.

(Eine der Fragen aus der, in den unteren Links erwähnten, Checkliste)

Wollte mir jemand zeigen, wie man sich die Schnürsenkel bindet, war da nur ein Knoten im Knopf, aber nicht in den Schnürsenkeln und ich verstand nicht, was man mir zeigte. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wer es mir letzten Endes zeigte, aber irgendwann hatte ich es dann endlich auch geschnallt.

Wenn ich mir die Videos für Version Links und Version rechts ansehe, nutze ich offenbar eine Kombination aus beiden Varianten. (Dieser junge Mann scheint die Lösung des Problems allerdings noch nicht gefunden zu haben)

Ich habe bereits damals Schuhe mit Klettverschluss getragen, nicht zuletzt, weil es praktisch war und Zeit sparte. Einige meiner heutigen Barfussschuhe haben diesen immer noch – reinschlüpfen und los gehen.

Nutzung der nicht primären Hand

Bis zum Alter von 7 Jahren nehmen Kinder alles wie ein Schwamm auf. Alles ist 1:1 wahr für sie und so wird aus verschiedensten Gründen mehr oder weniger bewusst das angeborene durch das gemeingültige/gesellschaftliche Verhalten überschrieben, so kann es jedenfalls sein. Beginnt man mit seinen Mitmenschen darüber zu sprechen, so fällt dem einen oder anderen wieder etwas ein.

Die „Umerziehung“ muss nicht „böswillig“ erfolgt sein, das möchte ich damit nicht sagen.
Ich selbst wurde meines Wissens nach nie bewusst gezwungen oder gar bedroht und kann mich nicht erinnern, wann ich dazu überging vermehrt die rechte Hand zu nutzen. WwVielleicht ist es auch eher „steter Tropfen höhlt den Stein“. Auf alten Bildern lässt sich aber bis zum Kindergarten immer noch die Bevorzugung der linken Hand erkennen.
Mit der Einschulung wurde mir gesagt, „wir nehmen den Füller in die rechte Hand“ und ich tat es, das wars. So habe ich das damals meiner Mutter berichtet und hör(t)e es seit dem wie ein Echo meiner eigenen Worte.

Zu dem Verhalten von Kindern, Epigentik und vieles mehr kann man beispielsweise bei Bruce Lipton noch mehr erfahren. Ich sah eine sehr interessante Gaia Doku mit ihm, die noch einmal das kindliche Verhalten ganz gut darstellt und es plausibel macht, wie Kinder im Vergleich zu Erwachsenen sind.

Ich war mir selbst lange nicht sicher, was ich mit dem Thema machen sollte, aber wurde in den letzten Monaten so oft damit konfrontiert, dass es nun an der Zeit war, diese offene Frage abschließend für mich zu klären.

Die Testung

Es gibt verschiedene Tests, die man zur Testung der Händigkeit heranziehen kann, wie der hier erwähnte Klatschtest. Auf selbst durchgeführte Tests allein wollte ich mich allerdings nicht verlassen. (Gerade klatschen war auch so ein komische Sache bei mir.)

Deswegen war es mir lieber mich in die Hände einer erfahrenen Fachkraft zu begeben, die vor allem persönlich die Situation versteht und weiß, wie wichtig eine solche Entscheidung ist.

Durch glückliche Umstände einer „Rechts-Links Frage“ ans Internet fiel mir die Seite von Marina Neumann zu. Nachdem ich die Seite linkerhand.de samt Videos ansah, war meine Entscheidung schnell getroffen und ich vereinbarte einen Termin zum Händigkeitstest.

Wir redeten ausgiebig, ich spürte in mich bei den Tests intensiv hinein und es fühlte sich gut an Dinge mit links zu tun. Es gab auch ein Nachgespräch und sie sagte mir eindeutig, dass sie auch klar sagen würde, wenn ich Rechtshänder wäre. Nichts wäre fataler als hier zu beeinflussen.
Die Vermutung bestätigte sich: Ich bin tatsächlich geborene Linkshänderin oder anders ausgedrückt: Ich bevorzuge eindeutig die linke Hand bei vielen Dingen.
Nach diesem ersten Termin, etwas Bedenkzeit und der Lektüre ihres Buches wollte ich zunächst das „Schreibprogramm“ in meinem Kopf nur noch von rechts auf links umstellen.

Mein Gehirn und meine Hände sollten wieder ins Gleichgewicht kommen.

Was unterscheidet die linke von der rechten Gehirnhemisphäre?

Um eines von Jonathan Dilas Videos frei zu zitieren:

Das linke oder digitale Selbst ist allwissend und mit der rechten Gehirnhälfte verbunden. Die phänomenal „selten“ auftretende Linkshändigkeit. 😉

Das rechte oder digitale Selbst ist unwissend und mit der linken Gehirnhälfte verbunden. Hier hätten wir die überrepräsentierte Rechtshändigkeit.

Linke HemisphäreRechte Hemisphäre
AnalyseKreativität
LogikFantasie
SequenzierungGanzheitliches Denken
GeradlinigkeitGefühle
MathematikMotorische Fähigkeiten
SpracheMusikempfinden
FaktenVisualisierung

die mischung macht es

Erstrebenswert ist die Ausgeglichenheit beider Gehirnhälften, indem die Stimulation beidseitig ausbalanciert erfolgt. Somit ist es ratsam früh dafür zu sorgen, sowohl die linke als auch die rechte Seite des Gehirns mit entsprechenden Reizen zu stimulieren.

Genauere Informationen gibt es bei den Links unter dem Artikel.

Warum neu lernen/umlernen?

Vieles im Leben will bei mir in den letzten Jahren gesehen und manchmal auch in Ordnung gebracht werden.

Es gab einige Hinweise in die Richtung. Ich lernte auch vermehrt Menschen mit ähnlichen Verhaltensweisen kennen, die linkshändig waren oder es vermutlich nicht wussten.

Schreiben

Im ersten Schritt geht es darum das Schreiben mit der linken Hand zu erlernen, welches hoch komplex ist. Wenn man es erneut lernt, ist einem das auch schnell klar.

Frau Neumann erwähnte in Bezug auf das Erlernen von Musikinstrumenten in ihrem Buch auch „Musizieren mit Links“ von Walter Mengler. In diesem finden sich weitere spannende Informationen zur klassischen Musiksparte und der Priorisierung der rechten Hand aus manchmal doch fragwürdigen Gründen wie die „Optik bei einem Orchester“.

musizieren

In unserer Grundschule stellte sich damals eine Musikschule vor und ich wollte unbedingt ein Tasteninstrument erlernen. Neben der Schule musizierte ich also, 2 Jahre lang nur mit der rechten Hand und ab dem dritten Jahr dann beidhändig.
Ich kann mich auch gut erinnern, dass das mit dem Noten lesen, so es über oder unter die Linien ging, mir Probleme bei der Zuordnung bereitete, so schnell konnte ich nicht umdenken und irgendwo fehlte mir da die Orientierung.

Als es dann Richtung Schulabschluss der Sekundarstufe I ging, entschied ich mich final gegen den Instrumentalunterricht.
Die Aussage meines Lehrers habe ich nie vergessen: „Es gibt nichts wichtigeres im Leben als ein Instrument zu beherrschen“. Seine Worte haben bei mir gesessen, aber lange auf andere Art…leider kann ich ihm das nun persönlich nicht mehr sagen.

Da mag viel dran sein, aber unter welchen Bedingungen?

Meine Klassenlehrerin zu der Zeit unterrichtete mich in Musik und meinte zu mir, ich müsse am besten was mit Musik machen, am besten sie eigentlich unterrichten. Nun könnte man unterstellen, was eine Musiklehrerin auch anderes sagen solle, aber so ist sie eben nicht. Die Hingabe war auch immer da und spürbar, aber vieles stimmte einfach nicht, weswegen ich vermutlich da auch nie aktiv geworden bin.

musikalisches „Vermächtnis“

Mein Vater, meine Großeltern, wie auch die Urgroßväter auf beiden Seiten, wie ich nun weiß, waren alle durchaus musikalisch.
Einer liebte sein Schifferklavier (Akkordeon) und unterhielt wohl so ganze Sääle, der andere seine Mundharmonika, wie ich später erfuhr. Beide habe ich zu Lebzeiten nicht mehr kennenlernen dürfen.

In der dritten Klasse probierte ich mich an Blockflöte in einer AG, natürlich rechtsspielend. Ich muss zugeben, dass es viel besser klingende Flöten gibt. Ein großer Freund war ich beispielsweise von Panflöten mit ihrem langen und sanften Klang. 😍

Das Akkordeon lernte ich ab dem 3. Musikschulahr (4. Klasse) zu spielen. Zwei Mundharmonikas befanden sich auch in unserem Besitz.

Mir wurde immer wieder versprochen, dass ich noch richtig Keyboard lernen könne, was ich eigentlich immer wollte, aber das kam erst so richtig, nachdem ich schon ausgetreten war.

Ich wünschte mir aber eines und brachte mir auch mit Unterstützung meiner Lehrerin die linke Hand mehr oder minder selbst bei. Sie zeigte mir etwas und ich übte das dann auf meinem Instrument zu Hause. An die Schmerzen in Arm und Fingern kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. 😅

An einer Melodiegitarre versuchte ich mich auch. ich mochte gerne auf der Gitarre meiner Tante rumzupfen und mein Cousin lernte erst auf der und hatte zwischenzeitlich dann mal eine Bassgitarre.
Wie ich aber dann bei intensiverer Beschäftigung merkte, war dass ich den Sound von Nylon Seiten nicht so sehr mag und mich somit auch für die falsche Gitarre entschieden hatte.
Ich ließ meine Gitarre zwar auf Metallsaiten umspannen, was aber nichts daran ändert, dass diese nicht dafür gebaut ist. So richtig ran kam ich an das Gitarrenspiel nie.
Da bin ich heute noch sehr wählerisch, was ich höre und je mehr es in Richtung E-Gitarre ging, umso besser. 🎸

Mittlerweile kann ich auch gut nachvollziehen, warum Frau Neumann, die Geige lernte und aktiv jahrelang spielte, auf ein zweites Erlernen verzichtet. Es ist anstrengender etwas bekanntes umzulernen, als sich etwas unbekanntes anzueignen. Die Erfahrungen wurden gemacht und das wieder rauszubekommen, bedeutet eben Arbeit. Emotional kann es natürlich auch einiges auslösen.

Lernt man ein neues Musikinstrument, das auch einem bereits erlernte nicht ähnelt, so fängt man von Null an. Letzten Endes geht es eben bei der Musik, wie schon an anderen Stellen erwähnt darum, seinem Gefühl Ausdruck verleihen zu können. Wie gut ein Stück nachgespielt wird, ist eigentlich nur für die Theorie interessant, also ein Gleichgewicht zwischen dem Rüstzeug und der praktischen Umsetzung zu finden.

Für beispielsweise die Spirit Flute, Kalimba oder HandPan (auch HangDrum) genannt, gibt es nur wenige Menschen, die Unterricht anbieten und das auch meist nicht im klassischen Format, sondern es wird vermittelt, wie diese Werkzeuge zu nutzen sind, damit du ihre Sprache lernen und anwenden kannst.

Einige linkshändige Hersteller finden sich allerdings bereits. Linkshändige Gitarren gibt es bereits schon eine Weile und ein linkshändiges E-Piano oder Klavier kann man bei Geza Loso erwerben, wer das möchte.

beruflich

Auch kann ich mich sehr gut erinnern, wie schwer es mir in der Ausbildung fiel diese Feingliedrigkeit der Maus, wie beim Freistellen eines Bildes mit der rechten Hand zu erlernen.

Ich fragte mich oft, warum das so anstrengend war. Nach großer Belastung hatte ich auch mit einer Sehnenscheidenentzündung der rechten Hand zu kämpfen. Man empfahl mir eine ergonomische Trackball Maus, was es zwar langfristig deutlich verbesserte, aber das eigentliche Thema weiterhin für mich maskierte.

Stimmt die Zahl der Verteilung?

Eine recht interessante Passage findet sich bei der Dokumentation über die 5 biologischen Naturgesetze. Hier wird von einer Verteilung von 38 zu 62 gesprochen.

Einige Menschen gehen allerdings von einer Halb-Halb Situation aus, die logisch betrachtet auch mehr als denkbar ist. Immerhin strebt alles in der Natur nach Gleichgewicht, warum also nicht auch hier?

Fazit

Die dominante Hirnigkeit, wie auch Händigkeit ist, nach aktuellem Wissensstand, angeboren. Somit wäre es generell wichtig gehirngerecht zu arbeiten. Damit unser Gehirn ideal arbeiten kann, müssen beide Hälften ausgeglichen sein.

Jeder sollte individuell nach seinen Voraussetzungen lernen und leben dürfen, ohne Druck und so wenig wie möglich „Eingriffe“ von außen. Bei allem ist wichtig zu merken, was sich richtig anfühlt, sei es nun Händigkeit, Füßigkeit oder ähnliches.

Noch vor einigen Jahrzehnten wurde das nicht akzeptiert.

Viele kennen die Methoden noch, wie früher umerzogen wurde. Ein Arm wurde beispielsweise auf den Rücken gebunden. Die Kinder/Schüler sind zurecht gewiesen oder geschlagen worden, wenn sie nicht die „gute“ Hand nutzten und vieles mehr…

Mir ist bis heute schleierhaft, wie man gegenüber Kindern derartige Gewalt und manipulative Mittel einsetzen kann und das nicht nur auf die Händigkeit bezogen…

Als ich mich begann mit dem Thema zu befassen, wurde mir schnell klar, dass es viel mehr gibt, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Viele wissen es nicht einmal selbst, weil sie sich daran gewöhnt und sich untergeordnet haben. Selbst in meiner eigenen Familie tritt die Dominanz der linken Hand häufiger auf, als ich vor kurzem hätte annehmen können.

Hat man einen Blick dafür, dann fallen einem immer schneller solche Dinge auf. Natürlich ist aber jeder selbst dafür verantwortlich nach diesem Wissen zu streben und bei Bedarf etwas zu unternehmen.

Ich habe für mich entschieden mich auf den Weg zu machen.

Weitere Links

checkliste

lernlustcoaching.com/linkshaender/linkshaender-erkennen-test/

Test Angebote

linkerhand.de
linkshaender-test.de

 

Autorin

Susann
Susann
Schon als Kind war ich verzaubert von der Musik und Technik, die mir erlaubte noch mehr Klänge zu hören.
In der Schule, gerade im Abitur, lernte ich Worte immer mehr zu schätzen und hinterfrage Sprache, Worte und Zeichen aktiv.
Ab 2017 trat dann der Komplex Gesundheit vermehrt in unser Leben.

Primär werde ich zu diesen meine Gedanken kundtun. Mit zunehmender Beschäftigung damit fiel mir auf, dass diese Bereiche nicht so voneinander abgegrenzt sind, wie man vielleicht denken könnte.

Das eine führt zum nächsten und alles verbindet sich.

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